Privatbahn kritisiert Gleisabbau
23.11.2010 FRANKENPOST - Werner Rost
Einen großen Investitionsbedarf bei der Bahn sehen Politiker und Unternehmer in Nordostbayern. Der Bund und der Freistaat werden zu verstärkten Investitionen aufgefordert.
Hof - Ein für Oberfranken außergewöhnlicher Triebwagen der Baureihe "Integral" hat in Marktredwitz, Hof und Bayreuth Station gemacht. Der Sonderzug des bayerischen Bauindustrieverbandes rollte einmal um das Fichtelgebirge, wobei die Konferenzteilnehmer die Unzulänglichkeiten des hiesigen Schienennetzes erörterten.
"Für die Metropolregion Nürnberg ist der zügige Ausbau der Schieneninfrastruktur von größter Bedeutung", betonte Harald Leupold, der fachliche Sprecher des Forums Verkehr und Planung der Metropolregion. Im "mobilen Konferenzraum" wurde erwartungsgemäß vor allem über die weitere Elektrifizierung südlich von Hof diskutiert.
Wie Leupold erläuterte, ist die Strecke von Hof nach Regensburg als "Ost-Korridor" für den Güterverkehr in Nord-Süd-Richtung von großer Bedeutung. Dagegen sei die Strecke von Nürnberg über Marktredwitz zur Landesgrenze Teil des wichtigen europäischen West-Ost-Bahnprojektes "TEN 22", das über Prag bis zum Schwarzen Meer sowie nach Athen reiche. Leupold erinnerte an den Staatsvertrag zwischen Deutschland und Tschechien aus dem Jahr 1995, in dem der Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke von Nürnberg über Marktredwitz bis zur Landesgrenze bis zum Jahr 2016 vereinbart seien. In Tschechien sind die Bauarbeiten bereits weit fortgeschritten. "Bei uns ist dagegen noch nichts passiert", kritisierte Leupold.
In die selbe Kerbe schlug die Marktredwitzer Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder. "Wie wollen wir den Tschechen vermitteln, dass sie sich an Staatsverträge und Verwaltungsabkommen mit der Bundesrepublik Deutschland halten müssen, wenn es der Bund nicht tut", sagte Seelbinder. Für das "TEN 22"-Projekt sei eine zusätzliche EU-Förderung von 20 Prozent möglich. "Wenn für die Neubaustrecke nach Erfurt 5,2 Milliarden Euro ausgegeben werden, dann sind die 156 Millionen Euro für den Ausbau zwischen Nürnberg und Marktredwitz ein Pappenstiel", verglich die Oberbürgermeisterin.
Seelbinder fordert den Freistaat Bayern auf, die Kosten für die Vorplanung der Elektrifizierung zu übernehmen. Die bereits begonnenen Arbeiten zwischen Reichenbach und Hof seien nur möglich geworden, weil der Freistaat Sachsen die notwendigen Planungen vorfinanziert habe. Nur deshalb habe man dieses Projekt kurzfristig in das Konjunkturprogramm aufnehmen können. Seelbinder verwies auf einen Präzedenzfall in Bayern. So habe der Freistaat auf Drängen der Schweiz die Vorplanungskosten für die Strecke München - Zürich übernommen.
Der Hofer Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner erwartet vom Bau des Güterverkehrszentrums einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung für die Stadt. Mit den zusätzlichen Verkehrsleistungen würden weitere Arbeitsplätze entstehen. Fichtner erinnerte an die Hofer Erklärung vom 30. September, wonach die Strecken nach Nürnberg und Regensburg gleichrangig elektrifiziert werden sollen und an die ebenfalls vom Planungsverband geforderten Lückenschlüsse zwischen Selb und Asch sowie über die Höllentalbahn nach Thüringen.
Werner Bischoff, der Vorsitzende des Verkehrsverbandes Nordostbayern, plädierte für einen schnellstmöglichen direkten Bahnanschluss der Region an den Münchner Flughafen. "Das würde unseren Standort verbessern", betonte Bischoff.
Siegfried Pauls, der oberfränkische Betriebsleiter der neuen Privatbahn Agilis, ging hart mit dem Gleisrückbau zu Gericht, den die Deutsche Bahn AG seit der Bahnprivatisierung im Jahre 1994 vollzogen hat. "In Hof, Münchberg und Kirchenlaibach fehlen Abstellmöglichkeiten für unsere Züge", kritisierte Pauls. Wie berichtet, wird Agilis vom 12. Juni 2011 an das Dieselnetz Oberfranken mit fabrikneuen Triebwagen übernehmen. Dies betrifft alle Linien mit Ausnahme der Neigetechnikzüge. Pauls kritisiert fehlende Weichenverbindungen am Bahnhof Münchberg in Richtung Hof. Zwischen Stammbach und Marktschorgast fehle das zweite Streckengleis. Zwischen Neuenmarkt-Wirsberg und Bayreuth sei wegen der großen Streckenbelegung mit fünf Zügen pro Stunde ein punktueller zweigleisiger Ausbau nötig, um die Übertragung von Verspätungen auf andere Züge zu vermeiden. |