Deutlich mehr Güter auf der Höllentalbahn prognostiziert
25.11.2010, OTZ
In einer von der IHK Ostthüringen in Auftrag gegebenen Studie kommt Prof Dr. Matthias Gather von der Fachhochschule Erfurt zum Fazit, dass bei einem Lückenschluss der Höllentalbahn zwischen Blankenstein und Marxgrün mehr als 850 000 Tonnen Güter zusätzlich auf die Schiene verlagert werden könnten. Selbitz/Blankenstein. Im Untersuchungszeitraum der Jahre 2007/2008 waren vor allem von den holzverarbeitenden Betrieben Klausner in Friesau und der Zellstoff- und Papierfabrik (ZPR) in Blankenstein 840 000 Tonnen auf die Gleise gebracht worden. Vorgestellt wurden die Zahlen auf der nach dem Jahr 2008 inzwischen 2. Verkehrskonferenz. Die IHK hatte zur Präsentation am Mittwoch ins oberfränkischen Selbitz eingeladen. Ob sich eine Investition in die derzeit brachliegende Schieneninfrastruktur finanziell rechnet, blieb offen. Klar zur Sprache kam, dass die durchschnittlich angenommenen 300 Bahnreisenden, die täglich auf dem Streckenabschnitt Saalfeld-Blankenstein die Züge des Schienenpersonennahverkehrs nutzen, nicht ausreichen, um eine Reaktivierung zu rechtfertigen. Eine Gesamtbetrachtung aus Sicht des Güterverkehrsaufkommens, des Schienenpersonennahverkehrs, der touristischen oder ökologischen Aspekte ist noch nicht erfolgt. Tenor in Selbitz war, dass jetzt eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt werden soll. "Das ist Voraussetzung für eine mögliche Finanzierung durch den Bund", sagte Professor Gather. "Unser Anliegen ist es, immer mehr Güter auf die Schiene zu bringen", sagte ZPR-Geschäftsführer Leonhard Nossol . Er ist der Meinung, dass sich die fünf Kilometer Höllentalbahn rechnen müssen. Als Argumente führte er den hohen Spritverbrauch der Lkw und die Belastungen für die Bürger an, durch deren Kommunen die Laster die Güter befördern. "Nötig ist ein politisches Bekenntnis", forderte Leonhard Nossol . "Die Betriebswirtschaftlichkeit bezieht sich nicht auf die fünf Kilometer, sondern auf die möglichen 700 Kilometer Bahnstrecke", warf sich der CDU-Landtagsabgeordnete Siegfried Wetzel ins Zeug. "Der Lückenschluss steht bei uns mit im Koalitionsvertrag", sprach er das Vertragswerk der Thüringer CDU-SPD-Landesregierung an. "Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Bürgern und der Industrie", sagte der Blankensteiner Bürgermeister Ralf Kalich (Die Linke). "Das kann uns nicht die Landesregierung überlassen." Er ärgerte sich, dass seit der letzten Verkehrskonferenz zwei Jahre vergangen sind und lediglich die neue Studie erstellt worden ist. Neben der Kosten-Nutzen-Anlayse soll jetzt noch eine neue Untersuchung angestellt werden, die die bislang einzige Studie über die Fahrgastzahlen aus dem Jahr 1998 aktualisiert. |