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GUTACHTEN IST FERTIG - Zähes Ringen um die Höllentalbahn

30.11.2010, FRANKENPOST - Werner Rost

Vertreter aus Politik und Wirtschaft, die sich seit Jahren für die Reaktivierung der Höllentalbahn zwischen Marxgrün und Blankenstein einsetzen, sehen sich durch ein neues Gutachten bestätigt.
Selbitz - Einen ungewöhnlichen Ort hat die Industrie- und Handelskammer Ostthüringen (IHK) "zu Gera" für die Vorstellung des Gutachtens der Fachhochschule Erfurt gewählt: Im großen Saal der evangelischen Gemeinde in Selbitz präsentierte Professor Dr. Matthias Gather vom Institut für Raum und Verkehr die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die "Verkehrsverhältnisse für den Personen- und Güterverkehr auf der Höllentalbahn". Der Auftrag für das Gutachten war vor zwei Jahren bei der ersten IHK-Konferenz zur Höllentalbahn in Blankenstein beschlossen worden (wir berichteten).

Gather erinnerte daran, dass mehrere Untersuchungen mit anderen Schwerpunkten vorausgegangen waren. So habe das "Gutachten zur Eisenbahn-Netzergänzung Marxgrün - Blankenstein" der Firma Kocks Consult aus dem Jahre 1998 nur die Perspektiven für den Personenverkehr anhand des Fahrgastpotenzials untersucht. Die damalige Prognose von 2030 Fahrten im Personenverkehr zwischen Saalfeld und Hof habe im Lückenschlussgebiet nur 494 Fahrten ausgewiesen, betonte Gather. Weitere Gutachten hätten sich mit Holzhackschnitzel-Transporten, mit der Kapazität der Bahnstrecke Saalfeld - Blankenstein sowie mit den bundesweiten Verkehrsverflechtungen angesichts steigender Frachtaufkommen befasst. "Die Zunahme des Schienengüterverkehrs führt zu Kapazitätsproblemen im Bahnnetz", zitierte der Professor aus der bundesweiten Studie.

Der Logistik-Experte erörterte die Vorteile, aber auch die Probleme einer reaktivierten Höllentalbahn. In Richtung Süden würden sich die Transportwege für den Güterverkehr um 65 Kilometer verkürzen. Bei Bauarbeiten stünde eine alternative Fahrtmöglichkeit zur Verfügung. Bei den Güterzügen würden die Rangiermanöver am Sackbahnhof Wurzbach entfallen. Zudem sei eine direkte Verbindung für den Personenverkehr zwischen Hof und Saalfeld vorteilhaft. Als problematisch nannte er die eingeschränkte Güterzugtauglichkeit des Gleises im Abschnitt zwischen Marxgrün und Hof und die verminderte Durchlassfähigkeit der Strecke wegen des derzeitigen Betriebsverfahrens von DB Netz.

"Die Einnahmen aus dem Güterverkehr würden für den Infrastruktur-Betreiber der Höllentalbahn nicht ausreichen", betonte Gather, der nur dann eine Chance für die Strecke sieht, wenn auch Trasseneinnahmen aus einem Personenverkehr erzielt werden könnten.

"Eine verlässliche Kostenschätzung muss der nächste Schritt sein, forderte der Hofer Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner, der als Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes Oberfranken-Ost an der Konferenz teilnahm.

Almut Weinert, die Leiterin des Geschäftsbereichs Wirtschaft und Technologie der IHK, forderte dazu auf, bei den Landesministerien in Bayern und Thüringen "Druck zu machen", um diese Kosten-Nutzen-Analyse finanzieren zu können.

Der bayerische Landtagsabgeordnete Peter Meyer (Freie Wähler) aus Bayreuth forderte Sonderförderungen für strukturschwache Räume. Meyer würde es bedauern, wenn die Höllentalbahn nur wegen "ein paar hundert fehlender Fahrgäste" nicht realisiert werden könnte.
Sprecher der beiden Landesverkehrsministerien wiesen darauf hin, dass die Eisenbahn-Infrastruktur Aufgabe des Bundes ist. Die Länder seien für die Bestellung des Schienenpersonennahverkehrs zuständig. Dieser erfolge erst ab einem Fahrgastaufkommen von mindestens 1000 Reisenden pro Tag.

Rainer Bier vom Fahrgastverband Pro-Bahn wies darauf hin, dass die Studie über die Fahrgastpotenziale aus dem Jahr 1998 völlig veraltet sei. Mittlerweile seien die Spritpreise stark gestiegen. Deshalb erwartet er unter den Pendlern eine weitaus stärkere Nachfrage. Der Pro-Bahn-Sprecher forderte die beiden Freistaaten auf, die Höllentalbahn für die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans anzumelden.

Siegfried Wetzel – Landtagsabgeordneter im Wahlkreis 33 Saale-Orla-Kreis I und verantwortlich für den Wahlkreis 34 Saale-Orla-Kreis II
 
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